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Usability right from the start

4. Dezember 2008 Seminar "User Interfaces für Anwendungssoftware - Entwurf und Prototyping" am 25.02. - 26.02.2009 in Köln

Die Entwicklung von User Interfaces (UI) ist weit mehr als nur Oberflächengestaltung. Auf der Basis von Nutzungsanforderungen (siehe Seminar "Nutzungsanforderungen an Anwendungssoftware identifizieren und spezifizieren") entsteht aus dem Aufgabenentwurf zuerst der Navigations- und erst dann der Oberflächenentwurf. Hieran schließt sich der (technische) Systementwurf an. Diese Folge von Schritten hat sich bewährt. Dadurch werden Mängel bei der späteren Systemimplementierung vermieden, und der Änderungsaufwand wird auf das Notwendige reduziert. Die Entwurfsmethoden sind so abgestimmt, dass im Projekt über die Oberflächengestaltung nicht mehr endlos diskutiert werden muss, weil für die Gebrauchstauglichkeit (Usability) des UI-Entwurfs gesicherte Arbeitsgrundlagen geschaffen werden.

Man weiß heute, dass ein gebrauchstaugliches Produkt nicht dadurch entsteht, dass man einem technischen Systementwurf nachträglich ein "schönes" User Interface aufsetzt. Die UI-Entwicklung wird heute durch die Vorgaben aus dem Aufgabenentwurf gesteuert und nicht mehr durch die Systemvorgaben.

In den letzten Jahren wurde in den CHAOS-Reports der Standish Group immer wieder gezeigt, dass methodisch richtige Benutzerbeteiligung den Projekterfolg sichert. Dabei benötigen die Methoden für den UI-Entwurf meist nur wenige Benutzer, sodass die Kosten gering bleiben. Außerdem vermeidet eine wirksame Benutzerbeteiligung Nutzungsprobleme, was letztlich den Aufwand beim Gebrauchstauglichkeitstest verringert und den Kunden bei der produktiven Nutzung zufrieden stellt.

Im Vorgehensmodell für den UI-Entwurf wird ein System "von außen nach innen" entworfen und (prototypisch) implementiert, um seine Validität zu sichern. Man beginnt erst dann mit dem technischen Systementwurf, wenn aus Sicht der Systemnutzung ein User Interface entworfen ist. Der methodische Königsweg dafür ist das sog. explorative Prototyping. Benutzer können nämlich allein aus der Betrachtung einer Systemoberfläche nicht beurteilen, ob sie so arbeiten wollen bzw. können, wie es das System verlangt. Vielmehr muss das System es zulassen, dass die Benutzer mit ihm so arbeiten können, wie sie es für ihre Anwendung erwarten. Und das erreicht man am besten dadurch, dass sie die Entwürfe ausprobieren können, bevor das System implementiert wird.

Das Ende des Protoypings - und damit des Entwurfsprozesses - wird durch projektbegleitende Usability-Tests dadurch signalisiert, dass in der Mängelliste die bedeutsamen Nutzungsprobleme abgearbeitet sind. Internationale Usability-Normen unterstützen die Entscheidung, welche Mängel tolerierbar sind und welche behoben werden müssen, um eine Mindestqualität zu sichern.

Zielsetzung

An einem durchgängigen Beispiel lernen die Teilnehmenden im Rahmen eines Prozessmodells, aus den Nutzungsanforderungen einen ersten Entwurf für das User Interface eines Systems zu entwickeln, diesen prototypisch zu implementieren und dann auf Benutzbarkeit zu testen. Sie werden lernen, diesen Prozess zu iterieren, bis alle signifikanten Nutzungsmängel beseitigt sind. Dafür üben sie szenario-basierte Entwurfsmethoden ein. Sie werden Testfälle aus Entwurfsdokumenten ableiten können, in Anlehnung an das DATech-Prüfverfahren für die Gebrauchstauglichkeit von Softwareprodukten.

Inhalt

Das Prozessmodell für den UI-Entwurf

  • Anforderungsanalyse mit Benutzern
  • Interaktionsdesign
  • Informationsarchitektur
  • Navigationsprototypen
  • Oberflächenprototypen

Bemerkung: Die ersten 2 Prozess-Schritte werden nur kurz rekapituliert. Diese sind Thema des komplementären DIA-Seminars "Nutzungsanforderungen an Anwendungssoftware identifizieren und spezifizieren".

Anforderungsanalyse mit Nutzern

  • Nutzer rekrutieren
  • Kontext-Interviews mit Nutzern durchführen
  • Mit Nutzern Nutzungsanforderungen validieren
  • Mit Hilfe von Claims Analysis moderieren

Interaktionsdesign

  • Aufgabenmodelle konstruieren
  • Interaktionsabläufe mit Use Scenarios modellieren

Informationsarchitektur

  • Nutzungsobjekte und Werkzeuge
  • Handlungsleitende Informationen
  • Navigationsentwurf

Prototyping

  • Design-Minimalismus
  • Arbeitsmittel und Werkzeuge
  • Navigationsprototypen
  • (Oberflächenprototypen)

Bemerkung: Das klassische "Oberflächenprototyping" wird zurückgestellt. Vielmehr wird vermittelt, wie man auf Basis von Fakten und Konzepten zum validen UI-Entwurf gelangt.

Adressaten

IT- bzw. Informatik-Fach- und Führungskräfte aus der Entwicklung von System- und Anwendungssoftware sowie deren User Interfaces, aus Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen. Fach- und Führungskräfte aus Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung mit Verantwortung für die Konformitätsprüfung mit Nutzungsanforderungen.

Voraussetzungen

Erfahrung in der Entwicklung und / oder Qualitätssicherung von Software und Benutzungsschnittstellen sowie Kenntnisse in der Anwendung von Styleguides.

Lehrmethode / Begleitmaterial

Vorträge, Übungen und Diskussionen. An einem für alle Übungen durchgängigen Beispiel werden die für Entwurf, Prototypentwicklung und Test wichtigen Methoden sowie die Anwendung des DATech-Prüfverfahrens für Konformitätsprüfungen erprobt. Die Teilnehmenden erhalten Kopien der umfangreichen Seminarunterlagen sowie Literaturhinweise und einschlägige Web-Adressen.

Maximale Teilnehmerzahl: 20

Weitere Informationen und Anmeldung: Deutsche Informatik Akademie (DIA)