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Usability right from the start

14. Juni 2010 Was kommt raus beim Usability-Engineering? Vereinheitlichte Prozessergebnisse helfen in Projekten

Was liefern Usability-Fachleute in Entwicklungsprojekten wirklich? Was müssen sie liefern? Oft wird diese Frage viel zu spät im Entwicklungsprozess gestellt. Dies reduziert Usability-Engineering-Aktivitäten dann auf „Usability-Testing“ – im Ergebnis einen Usability-Prüfbericht. Doch was, wenn der Prüfbericht gegen Ende einer Produktentwicklung Daten liefert, die ein umfassendes Redesign erforderlich machen, für das gar kein Budget mehr vorhanden ist?

Die neue ISO/IEC TR 25060 „Common Industry Format (CIF) for Usability: Framework for usability-related information“ nennt sieben Prozessergebnisse (auch Artefakte, Ergebnistypen oder Arbeitsprodukte genannt), die aus Sicht des Usability-Engineering während eines Entwicklungsprojekts mindestens entstehen müssen, um die Usability des zu entwickelnden Produkts vorhersehbar in den Griff zu bekommen. Diese sieben Prozessergebnisse sind:

  1. Nutzungskontextbeschreibung
    Welche Aufgaben hat der Nutzer zu erledigen und wie erledigt er diese? Welche Arbeitsbedingungen sind zu berücksichtigen? Welche Ausnahmen und Besonderheiten sind vorhanden, die bei der Produktentwicklung zu berücksichtigen sind?
  2. Beschreibung der Erfordernisse aus Nutzersicht (User needs)
    Was ist zwingend und unstrittig im Nutzungskontext erforderlich? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein (oder geschaffen werden), um den zu erreichenden Arbeitsergebnissen und Organisationszielen gerecht zu werden?
  3. Spezifikation der Nutzungsanforderungen (requirements for use)
    Was muss das System aus Nutzersicht wirklich leisten? Was muss der Nutzer eingeben oder auswählen können? Welche Informationen müssen für den Nutzer auf einen Blick verfügbar sein und welche Zusammenhänge muss der Nutzer erkennn können?
  4. Interaktionsspezifikation
    Wie sollte der Nutzer alle erforderlichen Schritte am System ausführen können? Was muss in welcher Reihenfolge ablaufen? Was muss flexibel möglich sein? Welche Information muss im jeweiligen Schritt angeboten werden?
  5. User-Interface-Spezifikation
    Welche Interaktionsobjekte müssen dem Nutzer verfügbar gemacht werden? Welche Dialogtechniken werden am User Interface eingesetzt?
  6. Usability-Testbericht \ Wo weicht das Produkt von Nutzungsanforderungen explizit ab? Welche Probleme haben Nutzer mit dem Produkt bei der Aufgabenerledigung tatsächlich?
  7. Bericht über Langzeitbeobachtungen
    Welche Erkenntnisse liegen vor, nachdem das Produkt länger im Einsatz ist? Wo gibt es bislang unbekannte Probleme in der Nutzung? Welche Anforderungen werden erst nach Roll-Out erkennbar?

Die Einigung auf die oben genannten sieben Prozessergebnisse des Usability-Engineering ist eine konsequente Folge der Veröffentlichung der DIN EN ISO 9241-210 „Prozess zur Entwicklung gebrauchstauglicher interaktiver Systeme“. Abbildung 1 illustriert den Zusammenhang der oben genannten Prozessergebnisse mit den Prozessen der DIN EN ISO 9241-210: Prozesse des Usability-Engineering und Prozessergebnisse Abbildung 1: Prozesse des Usability-Engineering und Prozessergebnisse

In ISO/IEC TR 25060 werden zunächst die zu erzielenden Prozessergebnisse des Usability-Engineering mit ihren Mindestinhalten genannt. Die inhaltliche Ausgestaltung der einzelnen Prozessergebnisse wird sich in den nächsten Jahren in Einzelnormen niederschlagen, die dann Anforderungen an die Qualität der Inhalte sowie ein konkretes Inhaltsraster vorgeben.

In Deutschland wurde hier über lange Jahre methodisch vorgearbeitet. Der Leitfaden Usability der Deutschen Akkredditierungsstelle (DAkkS) enthält inhaltlich die methodische Basis, um zielsicher professionelles Usability-Engineering durchzuführen. Die hier vorgestellten sieben Prozessergebnisse sind darüber hinaus integraler Bestandteil der Dienstleistungen der ProContext Consulting GmbH.